Watt­wanderer

Tipps zum sicheren Wattwandern

Wer sich im Watt sicher bewegen will, sollte sich perfekt vorbereiten und aus den Erfahrungen und Tipps anderer die richtigen Schlüsse ziehen:

„Die beiden hätten es nicht geschafft“

Wattwandern ist ein Erlebnis, das Körper, Geist und Seele anspricht. Man kann dabei ein einzigartiges Ökosystem auf ganz neue Art erleben. Allerdings ist vor Touren „auf eigene Faust“ zu warnen, wie Vormann Olaf Burrmann zu berichten weiß.

Olaf Burrmann ist gelernter Fischer und kennt sein Revier vor Büsum wie seine Westentasche. „Das sind rund 1.500 Quadratkilometer“, erläutert er. „Es gibt Tage, da passiert gar nichts und es gibt Tage, da gibt es gleich mehrere Einsätze.“ Zuweilen sind auch Wattwanderer darunter, die sich alleine auf den Weg machen und die Gefahren dieses einzigartigen Lebensraumes unterschätzen. Burrmann erinnert sich noch gut an ein Paar, das vor drei Jahren in Not geriet: Die Frau und der Mann, beide 52 Jahre alt, waren mit ihrem Hund Moritz bei einer Wattwanderung nördlich von Büsum in die reißende Strömung eines Priels geraten. Dabei hatten die beiden Glück im Unglück, denn ein aufmerksamer Passant am Deich hatte den Notruf gewählt, als er die Notlage der beiden erkannt hatte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Seenotrettungskreuzer THEODOR STORM mit Olaf Burrmann auf Kontrollfahrt im Revier. Die beiden Wattwanderer standen noch im Watt, waren aber auf dem Weg zum Land durch einen parallel zum Deich verlaufenden Priel vom Festland abgeschnitten worden. Burrmann lief mit dem Seenotrettungskreuzer sofort unter Höchstgeschwindigkeit in das betreffende Seegebiet.

In Unkenntnis der gefährlichen Strömung machten die beiden Wattwanderer den lebensgefährlichen Versuch, den Priel zu durchschwimmen. Sie wurden in kürzester Zeit von der Strömung weit auseinandergetrieben. Ein um Hilfe gebetener Kitesurfer konnte nach einiger Zeit die Frau erreichen und diese an seinem Brett über Wasser halten. Burrmann manövrierte den Seenotrettungskreuzer in den äußerst schmalen Priel und ließ sofort das mit zwei Seenotrettern besetzte Arbeitsboot zu Wasser. Zuerst zogen die beiden Seenotretter den Mann an Bord, dann die vollkommen erschöpfte Frau.

„Die beiden Wanderer hätten es nicht geschafft“, berichtet Burrmann und sagt weiter: „Der einzige, dem es vielleicht gelungen wäre sich zu retten, war der Hund, der war dem Land bereits am nächsten.“ Als das Arbeitsboot der THEODOR STORM auf das Tier zukam, änderte es aber sofort die Richtung und schwamm auf die Seenotretter zu, die es an Bord zögen, erinnert sich der Vormann. Wie dramatisch die Betroffenen die Situation erlebt haben, erzählt er zum Schluss: „Die beiden waren ständig von Wellen überspült worden. Nach etwa zwanzig Minuten in der starken Strömung hatte die Frau mit dem Leben abgeschlossen. Sie hatte weder den Freund noch den Hund sehen können und geglaubt, die beiden seien bereits ertrunken.“

Olaf Burrmann

Olaf Burrmann ist 57 Jahre alt und seit über 30 Jahren bei den Seenotrettern auf der Station Büsum tätig.

Drei Fragen an den Wattführer

Gerke Enno Ennen ist geprüfter Nationalpark-Wattführer und gibt Wattwanderern hier wichtige Sicherheitstipps

Herr Ennen, wenn es um Sicherheit beim Wattwandern geht: Was empfehlen Sie?
Vor allem das richtige Schuhwerk, wie Sneaker oder Surfschuhe. Es gibt tatsächlich nur sehr wenige Stellen im Watt, die für das Barfußwandern geeignet sind. Außerdem sollte auf keinen Fall der Sonnenschutz vergessen werden.

Gibt es auf der anderen Seite auch etwas, von dem Sie abraten?
Vor allem davon, nicht alleine ins Watt zu gehen, sondern nur unter Leitung eines Wattführers. Am Ufer kann man aber selbstverständlich auch alleine das Watt betreten, allerdings nicht weiter als 50 bis 100 Meter. Bei Nebel sollte man allerdings auch das ufernahe Watt meiden.

Und: Wo würden Sie weitere Informationen zum Thema Sicherheit beim Wattwandern einholen?
Die Gezeitenkalender in Kurzform liegen meist in den Touristen-Informationen, aber oft auch an der nächsten Tankstelle aus. Das ist auch wichtig, weil die Gezeiten sich erheblich unterscheiden. Der Gezeitenunterschied zwischen Norderney und Cuxhaven beträgt zum Beispiel über zwei Stunden. Aber die besten Informationen erhält man noch immer beim ausgebildeten Wattführer vor Ort. Der kennt sich mit den Gezeiten und den lokalen Eigenheiten des Watts aus.

Ein Tipp noch: Die Tour mit dem Wattführer sollte in den Sommermonaten so früh wie möglich gebucht werden, damit man noch einen Platz bekommt.