Surfer und SUP

Drei Schritte zum sicheren Surfen und SUP

Wer sich auf Nord- und Ostsee sicher bewegen will, sollte drei Dinge tun: sich perfekt vorbereiten, aus gemachten Erfahrungen anderer die richtigen Schlüsse ziehen und von den Profis lernen:

Vom Geretteten zum Retter

Es klingt wie ein Drehbuch für einen Fernsehfilm: Ein Windsurfer sticht im März in See und gerät kurze Zeit später in Gefahr. Stark unterkühlt wird er von einem Seenotrettungskreuzer gerettet. Kurze Zeit später wird er freiwilliger Seenotretter. Und doch ist das Irek Stosik genau so passiert. Seit zwei Jahren gehört er zu den Rettern der DGzRS.

Herr Stosik, waren Sie Anfänger, als Sie als Windsurfer in Seenot gerieten?
Nein, ich hatte bereits mehr als 20 Jahre Erfahrung. Und doch hat mir das nicht geholfen.

Was ist Ihnen im März 2014 passiert?
Es war ein sonniger und mit zehn Grad ein ganz angenehmer Tag. In Neustadt an der Ostsee blies der Wind aus Nordwest mit bis zu 26 Knoten. Eine Steife Brise, aber für mich als erfahrenen Windsurfer war das doch kein Problem. Nach einem ausführlichen Wetter- und Ausrüstungscheck ging es dann endlich los. Ich kam sofort ins Gleiten und kreuzte relativ viel, weil ich in Küstennähe bleiben wollte. Soweit lief alles gut. Ich war mir keiner Gefahr bewusst. Doch dann brach der Mastfuß. Das Rigg band ich ans Brett und paddelte los. Ich war nur zwischen 300 und 400 Meter vom Ufer entfernt. Kein Problem, dachte ich, in spätestens 20 Minuten bist Du an Land.

Hatten Sie keine Angst?
Die hatte ich zu keinem Zeitpunkt. Aber ich habe die Situation auch völlig falsch eingeschätzt. Als Wind und Strömung stärker wurden, musste ich das Rigg losbinden und treiben lassen, zu groß war Widerstand im Wasser. Als mir immer kälter wurde versuchte ich, Menschen an Land auf mich aufmerksam zu machen. Gott sei Dank mit Erfolg. Schnell kamen die Seenotretter und fischten mich aus dem Wasser.

Sie waren gut eine Stunde im fünf Grad Celsius kalten Wasser. Trotz Neoprenanzugs gerieten Sie in Lebensgefahr. Haben Sie die Situation unterschätzt?
Als ich schon an Bord des Seenotrettungskreuzers war, fühlte ich mich total sicher. Ich war ja im Warmen. Und ich war sehr erstaunt als ich mitbekam, dass die Retter einen Notarzt riefen. Aber sie verfügen halt über die Erfahrung und wissen, dass eine Unterkühlung auch noch später tödlich sein kann. Ich hatte eine Körpertemperatur von nur noch 34,1 Grad, was einer mittleren Unterkühlung entspricht. Vom Bruch des Mastfußes bis zur Rettung, habe ich alles falsch eingeschätzt.

Warum sind Sie gleich danach Seenotretter geworden?
In meinem Heimatland Polen war ich früher professioneller Rettungsschwimmer. Von daher hatte ich schon lange einen Bezug dazu, Menschen zu retten. Als ich selbst auf einmal Hilfe brauchte, haben mich die Professionalität, Ruhe und Sicherheit meiner Retter beeindruckt. Das möchte ich gerne zurückgeben.

Was sind Ihre persönlichen Lehren aus Ihrem Notfall?
Ich surfe nie mehr bei ablandigem Wind. Der Mastfuß wird alle zwei Jahre ausgetauscht. Und vor allem: Ich gehe nie mehr alleine zum Windsurfen. Wäre ein Kumpel dabei gewesen, hätte er schnell Hilfe holen können.

Irek Stosik

Irek Stosik ist gebürtiger Pole. Dort absolvierte er eine Ausbildung als Rettungsschwimmer, was in seinem Heimatland ein hauptamtlicher Beruf ist. Seit zwei Jahren ist er ehrenamtlicher Seenotretter in Neustadt i.H.. Der begeisterte Windsurfer arbeitet als Fotograf.

„Ob gelb, rot oder grün – Hauptsache eine Signalfarbe!“

Der stellvertretende Vormann auf dem Seenotrettungsboot JENS FÜERSCHIPP ist eine Frau. Birgit Heinze heißt sie und übernimmt als Freiwillige nicht nur regelmäßig das Ruder an Bord, sondern ist auch Krankenschwester in einer Notaufnahme und begeistert sich für das Stand-up-Paddeln.

Auf die Frage, was sie am Stand-Up-Paddling so begeistert, kommt eine auf den ersten Blick etwas überraschende Antwort: „Man ist ganz dicht am Wasser.“ Was sie damit meint, ist für alle, die diesen Wassersport kennen, sofort nachvollziehbar. Es ist die Ruhe, die sich beim „Suppen“ einstellt. Es ist die Möglichkeit, jederzeit innehalten oder sich sogar hinlegen zu können und Sonne und Wellengang auf sich wirken zu lassen. „Wer will, kann sogar Yoga auf dem Board machen“, sagt sie lachend, „oder in Ruhe ein mitgebrachtes Getränk zu sich nehmen – was immer man mag.“

Nie bei ablandigem Wind aufs Wasser
Mit dem SUP lässt sich natürlich auch Strecke machen und dann wird es schnell ernster: „Einer der vielen Vorteile von Stand-Up-Paddling ist, dass es schnell auch selbst zu erlernen ist. Bei allen, die keine Erfahrung auf dem Wasser haben, stellen sich neben dem Spaß am Sport aber auch schnell Gefahren ein. Das gilt zum Beispiel, wenn unwissentlich auf Schifffahrtswegen gefahren wird oder Unklarheit darüber herrscht, dass zum Beispiel ein Segelboot nicht so schnell ausweichen kann, wie gedacht.“ Ein Tipp ist Birgit Heinze auch aus eigener Erfahrung wichtig: „Bei ablandigem Wind sollte niemand aufs Wasser gehen. Die Gefahr, dass die eigenen Kräfte zu schwach sind und der Wind zu stark ist, ist viel zu groß.“

Richtige Ausrüstung
„Wenn es um Kleidung geht, braucht man beim SUP nicht viel“, sagt Birgit Heinze. Im Sommer kann es in Ufernähe ein kurzer Neoprenanzug sein, in kälteren Jahreszeiten ein langer und die passenden Füßlinge dazu. „Wichtig ist dabei immer, dass die Kleidung gut auf dem Wasser zu sehen ist. Das macht es anderen leichter, rechtzeitig zu erkennen, wo der Supper ist und hilft uns als Seenotretter im Notfall bei der Rettung. Die Farbe ist egal. Ob gelb, rot oder grün – Hauptsache eine Signalfarbe!“, sagt sie.

Birgit Heinze ist freiwillige Seenotretterin auf der Station Gelting an der Ostsee. Die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegehelferin ist auch stellvertretender Vormann auf dem Seenotrettungsboot JENS FÜERSCHIPP. Birgit Heinze ist 53 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie lebt in Gelting.

Drei Fragen an den Fachverband

Thomas Weinhardt ist 1. Vorsitzender des Verbands Deutscher Wassersport Schulen e.V. und weiß worauf es ankommt, wenn es um den sicheren Umgang mit dem Surfbrett oder SUP geht:

Herr Weinhardt, wenn es um Sicherheit beim Surfen, Windsurfen und „Suppen“ geht: Was empfehlen Sie?
Vor allem den Besuch einer guten Wassersportschule mit hohen Qualitätsstandards. Wer sicher gehen will, sollte sich nachweisen lassen, dass die ausgewählte Schule den international anerkannten und hohen Qualitätsanforderungen des VDWS genügt und die strengen Auflagen erfüllt. Die Lehrkräfte sollten zum Beispiel fachlich geschult sein. Die Ausbilder sollten die offizielle Ausbildungs- und Prüflizenz des VDWS haben und die Schule sollte einen gepflegten Eindruck machen. Eine wichtige Frage ist auch, ob sie sich mit Schulschild, Schulflagge und Schulstempel präsentiert.

Gibt es auf der anderen Seite auch etwas, das Sie nicht empfehlen?
Ja, als Wassersportanfänger auf eigene Faust einfach „loszulegen“. Auf dem Wasser ist in hohem Maß verantwortungsbewusstes Handeln notwendig, um die eigene und die Sicherheit anderer zu gewährleisten. Dazu muss bedacht werden, dass an einigen Surf-Revieren ein Grundschein Voraussetzung für unsere Wassersportarten ist.

Und: Wo würden Sie weitere Informationen zum Thema Sicherheit mit dem Surfbrett oder SUP einholen?
Am besten immer persönlich bei einem unserer rund 3.600 Mitglieder. Für den ersten Überblick gibt es aber auch bei uns einen Überblick auf der Webseite zum sicheren Umgang beim SUP und zum Surfen.