Schwimmer

Drei Schritte zum sicheren Schwimmen und Baden

Wer sich auf Nord- und Ostsee sicher bewegen will, sollte drei Dinge tun: sich perfekt vorbereiten, aus gemachten Fehlern anderer die richtigen Schlüsse ziehen und von den Profis lernen:

„Das war wirklich knapp“

Wer eine Seenotretterin oder einen Seenretter besucht, trifft zumeist ein „Küstenkind“ – oft zu erkennen am norddeutschen Dialekt. Bei Paul Cugier ist das etwas anders, er ist in Düsseldorf aufgewachsen. Trotzdem ist er Seenotretter mit Leib und Seele und das schon seit Mitte der 1990er Jahre.

Zum Wasser ist er über die Marine gekommen und damit auch zu den Pionieren nach Schleswig. Seit 2000 ist Cugier Vormann der Schleswiger Seenotretter. Schleswig ist eine relativ junge Station der DGzRS, sie wurde erst 1994 gegründet. Die 18 freiwilligen Seenotretter sichern mit dem Seenotrettungsboot WALTER MERZ der 8,5-Meter-Klasse die Schlei – einen Meeresarm der Ostsee – von der Stadt Schleswig bis zur offenen See ab.

Dabei handelt es sich um ein für die Schifffahrt und den Wassersport durchaus anspruchsvolles Revier, sagt Paul Cugier: „Die Lage und Tiefe der Fahrwasser verändern sich auf der Schlei ständig. Dazu ist es auch ein viel befahrenes Seegebiet, das vor allem von Ausflugs- und Fährverkehr sowie Wassersport geprägt ist.“

Auch deshalb kommt es immer wieder zu Notfällen. Zum Beispiel mit Schwimmern. Cugier erinnert sich dabei an eine 52 Jahre alte Frau, die er und seine Crew vor einigen Jahren gerettet haben. „Sie war am Morgen gegen halb acht in der Bucht Gunnebyer Noor – also etwa auf halber Strecke zwischen Schleswig und der Schleimündung bei Maasholm – schwimmen gegangen. Sie wollte die Bucht und den breiten Unterlauf der Schlei selbst in südlicher Richtung queren.“

Allerdings kam sie nie an. Die am nördlichen Schleiufer zurückgebliebene Freundin rief die Polizei an und meldete die 52-Jährige als überfällig. „Die Seenotrettungsboote WALTER MERZ/Station Schleswig und FRANZ STAPELFELDT/Station Maasholm sowie das Tochterboot ONKEL WILLI des ebenfalls in Maasholm stationierten Seenotkreuzers NIS RANDERS der DGzRS nahmen sofort Kurs auf das Suchgebiet“, berichtet Paul Cugier. „Unter der Leitung der SEENOTLEITUNG BREMEN durchkämmten wir systematisch die Gunnebyer Noor und die angrenzende, an dieser Stelle etwa eine halbe Seemeile breite Schlei.“

Mit Erfolg: Vormann Paul Cugier sichtete von Bord der WALTER MERZ aus die mittlerweile fast bewegungslose Frau im Wasser. „Wir haben sie kurz vor dem südlichen Ufer völlig apathisch gefunden. Das war wirklich knapp“, berichtet der Vormann. Mit beherzten Handgriffen zog die Besatzung die stark unterkühlte Schwimmerin an Bord. Dankbar ließ sie sich in wärmende Decken hüllen. Die Wassertemperatur der Schlei betrug zu der Zeit etwa 17 Grad Celsius. „Solche Notfälle entstehen, wenn man sich nicht mit den Strömungsverhältnissen der Gewässer auskennt und die Gefahren, die darin liegen, nicht einschätzen kann“, sagt Paul Cugier.

Paul Cugier

Paul Cugier ist 72 Jahre alt und seit Mitte der 1990er Jahre bei den Seenotrettern. Er ist Vormann auf dem Seenotrettungsboot WALTER MERZ/Station Schleswig.

Drei Fragen an den Fachverband

Achim Wiese ist Pressesprecher und Leiter Verbandskommunikation und Fundraising der DLRG und weiß worauf es ankommt, wenn es um sicheres Schwimmen und Baden an Nord- und Ostsee geht:

Herr Wiese, wenn es um Sicherheit am Meer geht: Was empfehlen Sie?
Sich vor allem der Gefahren bewusst zu werden. Das Baden und Schwimmen im Meer ist gefährlicher als in Binnengewässern. Die Gründe dafür sind vielfältig: Wind, Strömungen und Gezeiten sind nur drei Beispiele. Deshalb sollte niemals an unbewachten Stellen hinausgeschwommen und an bewachten Stellen immer auf die Sicherheits-Beflaggung geachtet werden. Besonders möchte ich auch dazu raten, sich langsam an kalte Wassertemperaturen zu gewöhnen. Im Sommer kann es durch den Unterschied zwischen Luft und Wasser von gut 20 Grad Celsius schnell zu einem Schock kommen.

Gibt es auf der anderen Seite auch etwas, von dem Sie abraten?
Ja, auf den Genuss von Alkohol beim Schwimmen und Baden sollte grundsätzlich verzichtet werden. Wichtig ist es auch nie mit ganz leerem Magen ins Wasser zu gehen und ausreichend zu trinken. Dazu sollte nicht in Richtung des offenen Meeres geschwommen werden, sondern parallel zum Ufer.

Und: Wo würden Sie weitere Informationen zum Thema Sicherheit beim Schwimmen und Baden einholen?
Zum einen sind unsere Lebensretter die richtigen Ansprechpartner am Wasser, wenn es um Sicherheit geht. Zum anderen finden sich dazu auch viele Informationen auf unserer Webseite.

Drei Fragen an den Fachverband

Axel Dietrich ist Bildungsreferent beim Deutschen Schwimmverband und hat drei Tipps zum Schwimmen an Nord- und Ostsee:

Herr Dietrich, wenn es um Sicherheit am Meer geht: Was empfehlen Sie?
Als Sportverband haben wir in erster Linie natürlich den Trainings- und Wettkampfbetrieb im Blick. Wenn es um das Schwimmen im Meer geht, dann trifft das vorrangig Menschen, die sich für das Freiwasserschwimmen begeistern oder die an einem Triathlon-Wettkampf teilnehmen wollen.

Während die Wettkämpfe mit Begleitbooten und Ersthelfern gut versorgt sind, findet das Training eher unbeobachtet und unkontrolliert statt. Deshalb gelten einige Regeln für das Schwimmtraining im Meer: Die Trainingsstrecke sollte am Anfang so gewählt werden, dass der Schwimmer jederzeit wieder den Strand erschwimmen kann. Außerdem sollten Trainingseinheiten nie allein stattfinden, sondern mindestens zwei Personen gemeinsam unterwegs sein. Sollte sich kein zweiter Schwimmer finden, kann auch ein Boot wie ein Seekajak den Schwimmer begleiten.

Jeder Schwimmer sollte seine Schwimmtechniken variieren können, um zum Beispiel auch in Rückenlage mal eine kurze Zeit zu pausieren und „neue Kräfte“ sammeln zu können. Eine der größten Gefahren beim Schwimmen im Meer ist die Selbstüberschätzung. Jeder Schwimmer sollte deshalb regelmäßig, mindestens einmal jährlich, einen ärztlichen Check durchführen lassen und die Ratschläge des Mediziners auch beherzigen.
Meerwasser ist kalt, jedoch kann der Unterkühlung mit einem Neoprenanzug vorgebeugt werden. Vor den nicht unüblichen Wellen sollte sich der Aktive durch das Tragen einer Schwimmbrille schützen. Ein Tipp zum Schluss: Wer längere Strecken im Meer zurücklegen möchte, der sollte ortskundig sein, sich Orientierungspunkte setzen und nie ohne Kenntnis des lokalen Wetterberichts starten.

Gibt es auf der anderen Seite auch etwas, von dem Sie abraten?
Die wichtigste Regel ist: Überschätze Dich nicht! Weiterhin gilt ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Festlegung einer Reihenfolge:

  • Gehe nicht leichtfertig jeden Tag ins Wasser, sondern wäge ab, ob Dein Gesundheitszustand, das aktuelle und das prognostizierte Wetter es zulassen. Achte dabei auf die Beflaggung der Rettungsstationen. Die rote Flagge zeigt ein absolutes Schwimmverbot an.
  • Trage keine weiten Sporthosen, wohlmöglich noch mit großen Taschen, die sich vollsaugen können und Dich nach unten ziehen.
  • Schließe nicht mit jedem Meeresbewohner Freundschaft – der Kontakt mit Quallen, Seeigeln oder andere Tieren kann Deine Schwimmfähigkeit und damit das sichere Zurückschwimmen stark beeinträchtigen.
  • Nimm nicht immer den direkten Weg – bei Pfeilern von Seebrücken, Bunenfeldern oder anderen Bauten im Wasser entstehen gefährliche Sogwirkungen, die weiträumig umschwommen werden sollten.
  • Alkohol wärmt nicht, auch nicht von innen. In angetrunkenem oder gar betrunkenem Zustand verbietet sich ein Training generell. Außerdem sorgt ein kalorienreiches Essen unmittelbar vor dem Training nicht für die notwendige Energie, sondern belastet den Körper und ist ebenso zu vermeiden, wie das Schwimmen ohne Nahrungszufuhr.

Wo würden Sie weitere Informationen zum Thema Sicherheit beim Schwimmen und Baden einholen?

Allgemeine Informationen über die Sicherheit beim Baden und Schwimmen im offenen Meer erhalten Sie natürlich bei den Rettungsschwimmverbänden, bei den lokalen Rettungsstationen oder auch im Internet.
Hinweise auf lokale Besonderheiten, Strömungen oder Wassertiefen erteilen auch die Gemeinde- oder Kreisverwaltungen. Tipps geben auch die Trainerinnen und Trainer unserer Schwimmvereine, in denen Freiwasserschwimmen betrieben wird. Fragen Sie hierzu Ihren Schwimmverein vor Ort oder den Landesschwimmverband.