Motorboot­fahrer

Drei Schritte zur sicheren Fahrt mit dem Motorboot

Wer sich auf Nord- und Ostsee sicher mit dem Motorboot bewegen will, sollte drei Dinge tun: sich gut vorbereiten, aus gemachten Erfahrungen anderer die richtigen Schlüsse ziehen und von den Profis lernen:

„Mit einigen hundert PS …“

Eigentlich ist Tim Eggers Wracktaucher. Aber wer so taucht, ist fast automatisch auch Motorbootfahrer. Dazu arbeitete er als Segel- und Windsurflehrer und ist – sicher nicht zuletzt – auch Schiffsführer auf einem Seenotrettungsboot der Seenotretter.

Wie kommt es, dass das Wasser im Leben so viel Platz einnimmt? „Ich habe seglerisch sehr aktive Eltern und habe daher als Kind schon viel Zeit im Segelklub in Kappeln verbracht“, erklärt der Vierzigjährige. Im Lauf der Jahre am Wasser kamen dann das Windsurfen und später das Tauchen dazu. Zwischenzeitlich hat er auch ein gewerbliches Tauchboot gefahren.

Faszination Tauchen
Auf die Frage, was ihn bis heute am Tauchen zu versunkenen Schiffen besonders fasziniert, hebt er leicht bedauernd die Arme und sagt: „Da kann ich nur sagen, was auch andere Wracktaucher sagen: Ein Wrack ist wie eine Zeitkapsel, durch die man selber in die Vergangenheit reisen kann.“ Wer so viel auf und im Wasser war wie Eggers, weiß auch um die Gefahren, die Nord- und Ostsee bergen: „Ich habe mittlerweile einige Probleme mit Motoren auf See erlebt, ganz einfach, weil wir sehr, sehr viele Meilen bei hoher Last gefahren sind. Da bleibt so etwas nicht aus. Dazu muss man wissen, dass wir oft mit voll beladenen großen Schlauchbooten mit einigen hundert PS starken Diesel- oder Außenbordmotoren fahren und das meist recht schnell mit 25 bis 35 Knoten. Die Maschinen sind dabei ständig feucht und verschleißen stark.“

Ausfälle des Motors sind auch bei seiner Arbeit bei den Seenotrettern eine Ursache für Rettungseinsätze. Andere Gründe sind ein leerer Tank, leere Batterien oder schadhafte elektrische Leitungen. Manchmal komme auch Unwissenheit hinzu: „Wenn man mit dem Motor unterwegs ist, sollte man wissen, wo die Filter sitzen, die verstopfen können, wo ich die Kraftstoff-Handpumpe finde oder an welcher Stelle der Notstopp ist.“ Aus den eigenen Erfahrungen hat er gelernt. Eggers hat nicht nur wichtige Ersatzteile mit an Bord, wie zum Beispiel Keilriemen oder einen Impeller, sondern auch das notwendige Werkzeug dabei. Erklärend sagt er dazu, dass sich auf dem Wasser vieles verändert hat. Früher hätten die Leute ihr eigenes Boot gehabt und seien damit regelmäßig auf dem Wasser und dadurch auch routiniert im Umgang mit ihrem Boot gewesen. „Heute sind viel mehr Charterboote unterwegs und da fehlt es manchmal an Routine und Wissen um das Boot“, sagt Eggers.

Tipps aus der Praxis
Einen Tipp hat er noch: „Wenn er am eigenen Boot einzusetzen ist, kann man einen kleinen Ersatz-Außenborder dabei haben. Selbst wenn der nur ein paar PS hat, hält er kleinere Boote doch manövrierfähig und bringt sie meistens auch in einen Hafen. Dieses ergibt besonders bei Booten zwischen fünf und zehn Metern Länge Sinn, also bei vielen Angel- und auch Tauchbooten.“

Tim Eggers

Tim Eggers ist Betriebswirt von Beruf und seit 2008 freiwilliger Seenotretter auf der Station Gelting. Der Vierzigjährige ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Drei Fragen an den Fachverband

Uwe Schöpfer ist Mitglied im Referat Breitensport / Touristik beim Deutschen Motoryachtverband und weiß, worauf es ankommt, wenn es um Sicherheit und Seemannschaft auf Nord- und Ostsee geht.

Herr Schöpfer, sicheres Fahren mit dem Motorboot: Was empfehlen Sie?
Erstens: Den Wetterbericht checken. Und zweitens sollte man nicht nur ein funktionierendes GPS zur Hand haben, sondern vor allem eine aktuelle Seekarte. Auf dieser ist der zu fahrende Kurs einzutragen und zu verfolgen. Dann ist man immer auf der sicheren Seite, wenn es zu einem Ausfall der Elektronik kommt. Die angelegte Rettungsweste sollte selbstverständlich sein, genauso wie der Rettungsring mit Leine oder ähnliches in Griffnähe sein sollte. Auch die Signalpistole sollte für den Notfall in unmittelbarer Nähe liegen. Und: Ein Radarreflektor sollte am höchsten Punkt angebracht sein. Ein Wort noch zu den Jetbooten: Mit ihnen sollte man sich nicht zu weit vom Ufer entfernen. Sie können auf Grund ihrer Größe nicht so schnell ausfindig gemacht werden.

Gibt es auf der anderen Seite auch etwas, das Sie nicht empfehlen?
Bei aller Not, nicht in Hektik verfallen. Das Wichtigste ist es, die Ruhe und Übersicht zu behalten. Dazu müssen klare Ansagen gemacht werden. Wenn es möglich ist, sollte eine Person als Ausguck bestimmt werden.

Und: Wo würden Sie weitere Informationen zum Thema Sicherheit mit dem Motorboot oder auch Jetboot einholen?
Bei der Wasserschutzpolizei und den Wasser-und Schifffahrtsämtern. Weitere Informationen hält auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur bereit.