Kiter

Drei Schritte zum sicheren Kitesurfen

Wer sich auf Nord- und Ostsee sicher bewegen will, sollte drei Dinge tun: sich perfekt vorbereiten, aus gemachten Erfahrungen anderer die richtigen Schlüsse ziehen und von den Profis lernen:

„Kitesurfen ist wie eine Droge“

Björn Westermann ist seit 1998 Jahren freiwilliger Seenotretter auf Juist. Und seit 2011 begeisterter Kitesurfer. „Ich bin auch Segler, aber Kitesurfen ist das Maximale, was man aus einer Sportart herausholen kann“, sagt der 42-Jährige, der durch seine Frau zu diesem Sport gekommen ist.

Besonders fasziniert ihn daran, „dass man nur so wenig Gerät braucht und sofort Spaß hat. Außerdem bin ich komplett autark.“ Inzwischen hat sich das Kitesurfen zu einer richtigen Familiensportart entwickelt. Westermann: „Unser Sohn ist mit seinen zwölf Jahren schon mit viel Spaß dabei.“

Kein Wunder, bietet Juist doch sehr viel Platz, um dieses Hobby zu betreiben. Für Westermann ist seine Heimat daher auch sein absolutes Lieblingsrevier. Dabei hat er schon an mehr als 30 interessanten Spots – auch in anderen Ländern – gekitet.

Und wie bereitet er sich auf einen Ritt über das Meer vor? „Das Wichtigste ist eine gute Grundkondition“, sagt er. „Direkt vor dem Start muss ich natürlich vor allem Wind und Gezeiten im Blick haben.“ Die größte Gefahr in seinem Sport sieht Westermann in einer möglichen Selbstüberschätzung. „Jeder Kitesurfer sollte unbedingt den nötigen Respekt gegenüber den Naturgewalten mitbringen“, warnt er. „Kitesurfen ist wie eine Droge, man muss unbedingt den Punkt finden, rechtzeitig aus dem Wasser zu gehen.“ Denn wenn Konzentration und Kraft nachlassen, sind Unfälle programmiert.

Das ist ihm auch schon selbst passiert. Er hatte kurz die Orientierung verloren und knallte bei Windstärke 7 auf den Strand. Westermann: „Das tat richtig weh.“ Zum Glück ist nicht mehr passiert. Als Seenotretter hingegen war er auch schon einen Sportler im Einsatz, der sich Rippenbrüche zugezogen hatte. „Der ist von einer Gewitterböe zehn Meter in die Höhe gerissen worden und dann abgestürzt.“ Und was rät der erfahrene Seenotretter und Kitesurfer? „Gehen Sie immer zu zweit zum Kiten. Passiert etwas, kann der andere Hilfe holen.“ Westermann warnt Anfänger, ohne den Besuch eines Kite-Kurses den Sport selbst auszuprobieren: „Das kann schnell im Krankenhaus enden.“ Knochenbrüche inklusive.
Insgesamt empfindet er seinen Sport aber als sicher – wenn man sich an die Regeln hält.

Bei seinen Kite-Touren in andere Länder hat Westermann einen interessanten Unterschied zwischen den Nationalitäten festgestellt: „Die Deutschen geben ihr Material ungern auf.“ Die Folge: Sie verlieren die Kontrolle und werden vom Schirm irgendwohin gezogen. Westermann: „In bestimmten Situation sollten Kiter ihren Schirm besser fliegen lassen.“ Wichtig ist ihm ein Hinweis: „Nutzen Sie die Kite-Sticker der Seenotretter, um Ihr Material zu kennzeichnen.“

Verhindert ungünstiger Wind die einfache Rückkehr zum Strand, rät Westerman, unbedingt den Schirm als Rückversicherung zu nutzen: „Im Wasser kann ich mich auf ihn setzen. Und er trägt mich sehr lange.“ Hoffentlich auf jeden Fall so lange, bis die Seenotretter kommen.

Björn Westermann ist seit 1998 freiwilliger Seenotretter auf Juist. Dabei hat ihm auch immer wieder seine Ausbildung zum Rettungssanitäter geholfen. Beispielsweise 2002, als während des dringenden Transports einer Schwangeren nach Norddeich auf See die Wehen einsetzten und er zum Geburtshelfer wurde. Heute arbeitet der gelernte Bankkaufmann als Gastronom.

Drei Fragen an den Fachverband

Thomas Weinhardt ist 1. Vorsitzender des Verbands Deutscher Wassersport Schulen e.V. (VDWS). Er weiß worauf es ankommt, um sicher zu kiten:

Herr Weinhardt, wenn es um Sicherheit beim Kitesurfen geht: Was empfehlen Sie?
Vor allem den Besuch einer guten Wassersportschule mit hohen Qualitätsstandards. Wer sicher gehen will, sollte sich nachweisen lassen, dass die ausgewählte Schule den international anerkannten und hohen Qualitätsanforderungen des VDWS genügt und die strengen Auflagen erfüllt hat. Die Lehrkräfte sollten zum Beispiel fachlich geschult sein. Die Ausbilder sollten die offizielle Ausbildungs- und Prüflizenz des VDWS haben und die Schule sollte einen gepflegten Eindruck machen. Ein wichtiger Indikator ist, ob sie sich mit Schulschild, Schulflagge und Schulstempel präsentiert.

Gibt es auf der anderen Seite auch etwas, das Sie nicht empfehlen?
Ja, als Wassersportanfänger auf eigene Faust einfach „loszulegen“. Auf dem Wasser ist in hohem Maß verantwortungsbewusstes Handeln notwendig, um die eigene und die Sicherheit anderer zu gewährleisten. Dazu muss bedacht werden, dass an einigen Surf-Revieren ein Grundschein Voraussetzung für unsere Wassersportarten ist.

Und: Wo würden Sie weitere Informationen zum Thema Sicherheit mit dem Surfbrett oder SUP einholen?
Am besten immer persönlich bei einem unserer rund 3.600 Mitglieder. Für den ersten Überblick gibt es aber auch bei uns auf der Webseite Infos zum sicheren Umgang beim Kitesurfen.