Angler

Drei Schritte zum sicheren Angeln

Wer sich auf Nord- und Ostsee sicher bewegen will, sollte drei Dinge tun: sich perfekt vorbereiten, aus gemachten Fehlern anderer die richtigen Schlüsse ziehen und von den Profis lernen:

Warum Angler in Seenot geraten

Als erfahrener Angler und gelernter Fischwirt kennt Christian Koprek (36) die Gefahren, die auf dem Meer drohen können. Dabei sind es einige, wenige Dinge, die man beachten muss, um wieder sicher an Land zu kommen. Der Seenotretter von der Station List auf Sylt erzählt von seinen Erfahrungen.

Christian Koprek hat als 2. Vormann auf dem Seenotrettungskreuzer PIDDER LÜNG schon so manche kuriose Situation mit Wassersportlern erlebt. „Einmal sollte ich einem auf einer Karte im Shell-Atlas zeigen, wie er nach Helgoland kommt“, sagt er. Immer wieder sind gerade auch Angler auf die Hilfe der Seenotretter angewiesen. Die Gründe für die Alarmierung ähneln sich: Mal werden Entfernungen unterschätzt und der Sprit geht aus, mal werden die eigenen Fähigkeiten überschätzt, auch bei schlechten Sichtverhältnissen wieder an Land zu kommen. „Es kommt immer wieder vor, dass Angler nicht einmal einen Kompass an Bord haben“, sagt der Seenotretter, der selbst seit gut 30 Jahren auf Fischfang geht.

Vom Hobby zum Beruf
An der Seite seines Opas erlernte er den Sport. Als Jugendlicher verbrachte Koprek bis zu 50 Stunden in der Woche mit der Rute in der Hand. Was zunächst an Binnengewässern begann, fand später schnell Fortsetzung auf hoher See. Ob vor Helgoland – damals war Angeln dort noch erlaubt –, auf der Ostsee oder in Dänemark, immer wieder verbrachte der passionierte Angler mehrere Tage auf See. Was als Hobby begann, wurde zum Beruf. Als ausgebildeter Fischwirt ging Koprek mit dem Kutter auf Krabbenfang. Heute, wenn er Dienst an Bord der PIDDER LÜNG hat, holt er immer wieder seine Angel hervor, um die Bordverpflegung durch frischen Fisch zu ergänzen.

Und was reizt ihn besonders an dem Hochseesport? „Das sind die ganz unterschiedlichen Herausforderungen. Makrelen-Angeln ist Stress, denn will man die Schwarmfische herausfischen, muss man schnell sein.“ Hat er hingegen Kabeljau im Visier braucht er gute Ortskenntnisse und das genaue Abschätzen der Gezeiten. Denn diese Fischart lässt sich besonders gut über Wracks fangen. Allerdings nur, wenn das Wasser zwischen Ebbe und Flut steht.

Und für Angler hat der Seenotretter zwei besondere Tipps auf Lager. „Etwa 30 Kilometer westlich von Sylt liegen die Wracks von zwei Landungsbooten aus dem Zweiten Weltkrieg. In dem etwa 100 Meter langen Trümmerfeld kann man gut auf Bücklinge oder Kabeljau gehen.“ Vor Norderney empfiehlt Koprek die Untergangsstelle eines Autotransporters, der dort schon lange liegt. Er war mit VW-Käfern beladen.

Vorbereitung vor dem Törn
Damit solche Angel-Touren sicher vonstattengehen können sind eine gute Vorbereitung und Ausrüstung Pflicht. „Bevor ich in See steche schaue ich mir immer genau das Wetter und die Gezeiten an. Auf See müssen Wassersportler auch stets damit rechnen, dass die Sicht durch Nebel oder Regen sehr eingeschränkt sein kann.“ Und da können schon kleine Dinge helfen, die Orientierung zu behalten. Der Seenotretter setzt deshalb auf einen kleinen Kompass oder entsprechende kostenlose Apps, die es für Smartphones gibt. Koprek selbst hat bei seinen Angelausflügen immer Kälteschutz, Rettungsweste, GPS, Kompass und ein Funkgerät dabei. Ein weiterer Experten-Tipp: „Tragen Sie helle, leuchtende Kleidung auf dem Wasser. So können Sie bei einer Suchaktion besser gesichtet werden. Die vielfach von Anglern gern angezogene Tarnkleidung aus alten Bundeswehr-Beständen ist da eher kontraproduktiv.“

Handys keine zuverlässigen Alarmierungsgeräte
Verwundert zeigt sich der erfahrene Angler und Fischer über die Unbedarftheit einiger Wassersportler. Immer wieder kommt es zu Einsätzen, weil sie mit völlig ungeeigneten Booten aufs Meer hinaus fahren und das ohne die Möglichkeit, Hilfe zu rufen. Koprek warnt: „Auf hoher See ist nach wenigen Kilometern Schluss mit dem Handy-Empfang.“

Sicherheits-App als Unterstützung
Künftig wird Anglern die neue Sicherheits-App SafeTrx gute Hilfe leisten. Koprek gehört zu den Seenotrettern, die das kostenlose Tracking-Programm vor der offiziellen Inbetriebnahme getestet haben. „SafeTrx ist sicherlich eine gute Wahl, um im Notfall schneller gefunden zu werden“, sagt er. Wassersportler, die sich eher auf den Shell-Atlas verlassen denn auf Seekarten können zumindest Hilfe holen.

Christian Koprek

Christian Koprek (36) ist seit 14 Jahren fest angestellter Seenotretter bei der DGzRS. Zunächst war er in Büsum, auf Norderney und auf Amrum stationiert. Heute hilft er von List auf Sylt aus Menschen, die auf See in Not geraten. Als ausgebildeter Fischwirt ging er zuvor jahrelang auf Krabbenfang. Von Cuxhaven und Pellworm aus befuhr er Nordsee und Elbe. Wenn er heute nicht in der nördlichsten Seenotretter-Station Deutschlands Dienst tut, lebt Koprek in der Nähe von Husum.

Drei Fragen an den Fachverband

Robert Vollborn ist gemeinsam mit Dr. Dieter Bohn Geschäftsführer des Landessportfischerverband Schleswig-Holstein e.V. und weiß, worauf es beim sicheren Angeln auf Nord- und Ostsee ankommt.

Herr Vollborn, sicheres Angeln an den deutschen Küsten: Was empfehlen Sie?

Vorsicht und gute Vorbereitung. Das heißt, dass das Boot in einem einwandfreien Zustand und mit genügend Treibstoff ausgestattet ist. Dazu sollte man auf einen Ernstfall, wie zum Beispiel einen Maschinenschaden, vorbereitet sein. Entsprechend sollten Anker, Paddel und Ersatzteile an Bord sein. Dazu möchte ich allen, die auf Nord- und Ostsee angeln, die kleine Funklizenz, also das Short Range Certificate, ans Herz legen. Man kann sich auf dem Meer nicht auf das Handy verlassen. Wichtig ist auch, dass es Menschen an Land gibt, die wissen, wann man ausfährt, wohin man fährt und wann man wiederkommt.

Besondere Vorsicht sollten die Brandungsangler walten lassen. Wenn sie im Wasser stolpern oder von einer Welle umgeworfen werden, kann Wasser in die Wathose laufen und sich an den Füßen eine Luftblase bilden. Die Betroffenen haben dann erhebliche Schwierigkeiten wieder auf die Füße zu kommen. Eine Möglichkeit, das zu verhindern, ist ein eng geschnallter Gürtel, der das schnelle Eindringen von Wasser etwas bremst. Gefahr besteht auch für Angler, die in Bellybooten unterwegs sind. Sie treiben sehr schnell ab. Hier gilt ganz besonders der Grundsatz, dass man die eigenen Kräfte und Möglichkeiten sehr kritisch einschätzen sollte. Wer auf dem Wasser friert oder sich unwohl fühlt, sollte schnellstens an Land – das gilt für Bootsangler und Brandungsangler gleichermaßen.

Gibt es auf der anderen Seite auch etwas, das Sie nicht empfehlen?

Angeln auf dem Wasser bei ablandigem Wind! Hier ist immer allergrößte Vorsicht geboten! Dazu sollte man sich nie alleine auf das Meer zu begeben. Und ein Drittes noch, das man vermeiden sollte: ohne Schwimmweste auf das Wasser zu gehen! Dabei spielt das Wetter übrigens keine Rolle.

 Und: Wo würden Sie weitere Informationen zum Thema Sicherheit mit dem Motorboot oder beim Brandungsangeln einholen?

Ein wichtiger Ratgeber vor jeder Angelfahrt ist der Deutsche Wetterdienst, der eine gute App entwickelt hat (WarnWetter-App). Allgemeine Informationen gibt es auch von der Wasserschutzpolizei oder den örtlichen Tourismuszentren. Vor Ort sind die Angelfachgeschäfte so gut wie immer die beste Anlaufstelle, wenn es um die richtige Ausrüstung und Besonderheiten des jeweiligen Reviers geht.